Wirtschaft
Auslagerung als Jobmotor
Studie: Hamburg ist Deutschlands Hochburg für Dienstleistungen. Hier
entstehen die meisten Stellen
Von Beate Kranz
Hamburg - Der Trend zur Auslagerung von Tätigkeiten hat der Dienstleistungsbranche in Hamburg einen neuen Nachfrageboom beschert. 84 Prozent der Hamburger Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren Firmenbereiche dauerhaft an externe Partner vergeben. Dabei blieb bei mehr als der Hälfte der auftraggebenden Firmen die Zahl der Mitarbeiter offenbar sogar konstant, während gleichzeitig die Beschäftigtenzahl in der Branche noch zulegte. Zugleich zeigten sich 55 Prozent mit dem Service der Dienstleister zufrieden. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage unter 1500 Firmen in der Hansestadt, die von der Handelskammer Hamburg vorgestellt wurde.
"Die Dienstleistungsbranche ist der Jobmotor der Hamburger Wirtschaft", sagte Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. Mit rund 60 000 Firmen ist in Hamburg heute fast jedes zweite der 123 000 Mitgliedsunternehmen der Kammer ein Dienstleister. Und jedes Jahr kommen rund 5000 neue hinzu. In der Branche arbeiten jetzt etwa 492 400 Menschen. Sie erzielen 51 Prozent des Hamburger Bruttoinlandsproduktes (BIP), während bundesweit der Anteil der Branche nur 45 Prozent beträgt. "Hamburg ist damit die Hochburg der Dienstleister in Deutschland."
Als Hauptgrund für die Auslagerung nennen 59 Prozent der Befragten Kostensenkungen. Weitere Argumente sind die Konzentration aufs Kerngeschäft (52 Prozent), fehlendes Know-how (47 Prozent), Personalengpässe (31 Prozent) und Qualitätsverbesserungen (26 Prozent). Fremdvergeben werden nicht nur einfache Tätigkeiten wie die Gebäudereinigung, sondern auch hochanspruchsvolle Aufgaben wie die elektronische Datenverarbeitung (EDV). So haben 60 Prozent der Firmen Aufgaben im Bereich Reinigung und Wartung an Externe übertragen. 34 Prozent vergaben Sicherheitsdienste an Dritte, 29 Prozent lagerten ihre EDV aus, 22 Prozent Buchhaltungstätigkeiten und 19 Prozent Ingenieursaufgaben. Neu im Trend, berichtete Christiane Strasse von der Outsourcing-Agentur Projektwerk, liege die Auslagerung von IT-Diensten, Marketing- und Vertriebsleistungen.
Der Bereich der Dienstleistungen gleicht einem bunten Blumenstrauß: Zur Branche gehören nicht nur Medien, Wirtschaftsprüfer, Zeitarbeitsfirmen, Callcenter, Fitneßclubs, Makler, sondern auch Kliniken und Pflegedienste. Bei der Auswahl eines Dienstleisters spielen die räumliche Nähe und persönliche Bekanntschaft die wichtigste Rolle, sagte Schmidt-Trenz.
Die größte Schwierigkeit beim Outsourcing sehen 60 Prozent in der Vorbereitung der Projekte. Je ein Drittel halten die Verfügbarkeit
und die Unsicherheit über das zu erwartende Ergebnis für problematisch. Der Handelskammer-Chef rät deshalb: "Die gründliche Vorbereitung ist der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor für Outsourcing-Projekte." |