Hamburg - die deutsche Hochburg für Dienstleistungen
Jedes Jahr kommen 5000 Firmen hinzu - Branche präsentiert sich auf
neuer Fachmesse Diwi in der Handelskammer
Hamburg entwickelt sich immer mehr zu einer Hochburg für Dienstleistungen in Deutschland. In der Hansestadt würden mittlerweile
51 Prozent der Wertschöpfung von Firmen aus dieser Branche erbracht, sagte Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer gestern bei der Eröffnung der neuen Dienstleistungsmesse Diwi. Bundesweit liege der Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung nur bei rund 45 Prozent.
Fast jedes zweite der 123 000 Mitgliedsunternehmen der Handelskammer gehöre mittlerweile der Dienstleistungswirtschaft an, sagte Dreyer. Jedes Jahr kämen über 5000 neue hinzu. "In den letzten zehn Jahren", so der Präses, "konnte nur dieser Sektor in Hamburg ein Plus an Arbeitplätzen verzeichnen."
Wirtschaftssenator Gunnar Uldall hob in seinem Grußwort hervor, daß bereits die Hälfte aller neu gegründeten Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor stamme. Damit Hamburg seine Spitzenposition halten könne, müßten die Firmen ihr Angebot stärker als bisher auf den
Export ausrichten. Auch sei die Schaffung von Netzwerken für die Branche eine wichtige Aufgabe, meinte der Senator.
Die Dienstleistungswirtschaft müsse die Trends der Zukunft rechtzeitig erkennen, forderte Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHK). Als Beispiel nannte er den Bereich der Gesundheitswirtschaft. Eine Gesellschaft, die immer älter werde, strebe nach Sicherheit. Aus dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben im Alter ergeben sich vielfältige Aufgaben für Dienstleister. Als Beispiele nannte er die Entwicklung neuer Organisationsmodelle für Kliniken und Altersheime, die Schulung mehrsprachiger Pflegekräfte oder auch die Ausarbeitung von Konzepten für seniorengerechtes Wohnen.
Noch bis zum heutigen Abend präsentieren 134 Aussteller aus den Bereichen Kommunikation und Datenverarbeitung, Personal, Gebäude und technische Dienstleistungen, Beratung sowie Finanzen auf der Diwi ihr Angebot. Auf einem parallel stattfindenden Kongreß können sich die
Besucher in Fachvorträgen und Workshops zudem über neue Branchentrends und -entwicklungen informieren. Dreyer kündigte an, daß die Diwi künftig jedes Jahr im November veranstaltet werde.
Vor allem die unternehmensnahen Dienstleistungen stehen bei der Diwi im Mittelpunkt. Nach Angaben des Statistikamtes Nord arbeiten in Hamburg allein in diesem Segment mehr als 150 000 Menschen in rund 17 700 Firmen. Diese erwirtschafteten zuletzt einen Gesamtumsatz von 20 Milliarden Euro. Die Investitionen dieser Firmen beliefen sich auf rund 3,3 Milliarden Euro. Allein 30 500 Personen sind bei Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatern beschäftigt. Bei Reinigungsfirmen sind es 24 300 Personen, die Mehrzahl von ihnen in Teilzeitjobs. 14 500 Personen arbeiten in der IT-Branche, 13 400 im Grundstücks- und Wohnungswesen und 10 400 bei Zeitarbeitsfirmen. Charakteristisch für den Dienstleistungsbereich sei, daß hier überwiegend Kleinunternehmen aktiv seien, hieß es. 94 Prozent aller Unternehmen haben weniger als 20 Mitarbeiter.
In Schleswig-Holstein beschäftigen 16 100 unternehmensnahe Dienstleister insgesamt 97 300 Personen. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Gesamtumsatz von 6,9 Milliarden Euro, die Investitionsleistung lag bei 930 Millionen Euro. Bei Rechtsanwälten, Steuer- und Unternehmensberatern sind 23 900 Personen und bei Reinigungsdiensten 18 300 tätig. In Architektur- und Ingenieurbüros arbeiten 10 500 Personen und bei IT-Dienstleistern sind es 6300 Beschäftigte. Im Durchschnitt sind nur sechs Personen je Unternehmen beschäftigt. |